Weltweit sind 800 Millionen Menschen Mitglieder einer Genossenschaft. Ob Spar-, Kredit-, Konsum-, Produktions-, Energie- oder Wohnungsgenossenschaft: Allen gemeinsam sind die Grundsätze "Hilfe zur Selbsthilfe" und "Stärke durch Gemeinsamkeit".
Kooperativen schaffen neue Arbeitsplätze. Mehr als 100 Millionen Menschen haben bei Genossenschaften Jobs gefunden, wie bei der dänisch-deutsch-schwedischen Molkerei-Genossenschaft Arla. In Genossenschaften arbeiten weltweit mehr Menschen als in allen multinationalen Konzernen zusammen.
In Deutschland gibt es rund 7600 Genossenschaften, die etwa 800.000 Beschäftigte haben. Kooperativen verfolgen Ziele, die weiter reichen als rein wirtschaftliche Interessen. Weltweit gelten sieben Grundprinzipien für Genossenschaften.
Prinzip 1: Die Mitgliedschaft einer Genossenschaft ist freiwillig und für jeden offen, der die Rechte und Pflichten der Genossenschaft akzeptiert und sich für das gemeinsame Ziel einbringen möchte.
Prinzip 2: Jedes Mitglied hat eine Stimme. Eine Genossenschaft wird von den Mitgliedern demokratisch bestimmt und ausgerichtet. Mehrere Kooperativen können sich dann zu einer Stimme zusammenschließen, wie zum Beispiel die Weber in Indien.
Prinzip 3: Mitglieder beteiligen sich mit Anteilen finanziell an der Genossenschaft. Das Kapital wird demokratisch kontrolliert. Ein Teil der Rücklagen verbleibt in der Genossenschaft. So sind auch die deutschen Raiffeisenbanken entstanden, die mittlerweile auch im Ausland vertreten sind - zum Beispiel in Serbien.
Prinzip 4: Genossenschaften sind unabhängige autonome Selbsthilfe-Organisationen und werden von ihren Mitgliedern kontrolliert. Alle Vereinbarungen der Genossenschaft müssen von den Mitgliedern beschlossen werden. Dabei gilt immer auch der Grundsatz der Autonomie.
Prinzip 5: Ausbildung, Fortbildung und Information für die Mitglieder: Nur wer informiert ist, kann auch die richtigen Entscheidungen treffen. Besichtigungen werden gemeinsam durchgeführt - wie bei der Energiegenossenschaft Honigsee in Schleswig-Holstein.
Prinzip 6: Zusammenarbeit mit anderen Genossenschaften: Je mehr Mitglieder gemeinsam agieren, desto stärker ist ihr Einfluss. Die Kooperation der Genossenschaften läuft nicht nur auf lokaler Ebene, sondern auch auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene - zum Beispiel beim Fairen Handel.
Prinzip 7: Vorsorge für die Gemeinschaft der Genossenschaft. Die Mitglieder einer Genossenschaft arbeiten auch politisch an der nachhaltigen Entwicklung ihrer Gemeinschaften mit. Das kann durch Schulen oder eine bessere Wasserversorgung für alle geschehen - oder durch Mitgliederbeschlüsse zu sozialen Zielen.
Die Genossenschaften sind aus der Not entstanden: Mitte des 19. Jahrhunderts verloren viele Handwerker und Bauern durch die industrielle Revolution und die Landstrukturreform ihre Existenzgrundlage. Fast zeitgleich entstand in Deutschland und Großbritannien die Genossenschaftsbewegung.
Die UN haben 2012 zum Jahr der Genossenschaften erklärt. Weltweit erleben die Kooperativen eine Renaissance, denn auch in der heutigen Wirtschaftskrise bieten sie eine Alternative zu privaten Unternehmen. Auch in der Entwicklungszusammenarbeit haben sich die Genossenschaften bewährt.
2012 ist das UN-Jahr der Genossenschaften. In Zeiten der Krise hat sich das gemeinsame Wirtschaften in vielen Fällen als Erfolgsrezept erwiesen.
2012 ist das UN-Jahr der Genossenschaften. In Zeiten der Krise hat sich das gemeinsame Wirtschaften in vielen Fällen als Erfolgsrezept erwiesen.