17 gilt als schwieriges Alter: Man ist kein Kind mehr und auch noch nicht richtig erwachsen. Eine Lebensphase, die schwierig, gleichzeitig schön und ungemein prägend ist. Welche Wünsche, Träume und Ideen deutsche Jugendliche in den vergangenen 60 Jahren hatten, zeigt die Ausstellung "Mit 17... Jung sein in Deutschland", die jetzt in Leipzig zu sehen ist.
Die Ausstellung zeigt Fotos, Dokumente und Gegenstände, die im Leben von deutschen Jugendlichen von 1945 bis heute eine große Rolle spielen und die den gesellschaftlichen Wandel verdeutlichen. Beispiel: ein Kondomautomat. Hatten Präservative früher ein Schmuddel-Image, gelten sie heute als wirksamer Schutz gegen Aids und Geschlechtskrankheiten, für den staatliche Stellen Werbung machen.
Mit 17 sind viele zum ersten Mal verliebt, sie sammeln erste sexuelle Erfahrungen und sind damit oftmals überfordert. Hilfe versprechen "Dr. Sommer" in der westdeutschen Jugendzeitschrift "Bravo" und Jutta Resch-Treuwerth mit ihrer Rubrik "Unter vier Augen" in der "Jungen Welt", der Zeitung des DDR-Jugendverbandes FDJ. Die Sexberater erhalten unzählige Briefe von verzweifelten Jugendlichen.
Ein Idol auch von deutschen Jugendlichen war James Dean. Der Hollywoodstar spielte bis zu seinem Tod 1955 nur drei Hauptrollen. Stellvertretend für viele der Fans in den Kinos lehnte er sich auf der Leinwand gegen seine Eltern auf. Einer seiner größten Erfolge hatte den vielsagenden deutschen Titel "…denn Sie wissen nicht, was sie tun (Rebel Without a Cause)".
"Junge Leute fragen nicht, was man darf und kann, junge Leute sehen die Welt mit eigenen Augen an", sang die aus den USA stammende Peggy March (Foto) 1965 in ihrem deutschsprachigen Top-Ten-Hit "Mit 17 hat man noch Träume". Weniger brave Jugendliche orientierten sich damals lieber am "Street Fighting Man" der Rolling Stones oder drehten bei "Revolution" von den Beatles die Lautsprecher voll auf.
In der DDR war die Beatmusik zunächst ganz verboten. Doch ostdeutsche Jugendliche ließen sich davon nicht beeindrucken. Ohne Englisch zu können, spielten sie die Songs einfach nach, die sie in westdeutschen Sendern hörten. Die DDR-Band "Studio 77" versuchte, sich um das Beat-Verbot herumzumogeln: Mit schrägen Perücken gaukelten sie den Funktionären vor, Rockgruppen aus dem Westen zu parodieren.
Wenn es um einen eigenen Lebensstil ging, hatten es die DDR-Jugendlichen sehr viel schwerer, als ihre Altersgenossen in der Bundesrepublik. Mitglieder des Elvis-Presley-Clubs in der ostdeutschen Stadt Boitzenburg legten einen Schwur ab, selbst bei höchster Gefahr nie die Nerven zu verlieren.
Die Angst der Jugendlichen vor der DDR-Staatsmacht war berechtigt, wie der Fall Michael Gartenschläger in der Leipziger Ausstellung zeigt: Der Gründer des Ted-Herold-Fan-Clubs in der DDR und Mauerkritiker wurde in einem Schauprozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Beiderseits der deutsch-deutschen Grenze engagierten sich Jugendliche in den 1970 und 80er Jahren in der Friedensbewegung. "Schwerter zu Pflugscharen" (Foto) war eine Parole im Osten, "Weiches Wasser höhlt den Stein" ein Motto im Westen.
In der Bundesrepublik waren sehr früh viele junge Leute in der Anti-Atomkraftbewegung aktiv: Sie besetzten den Bauplatz am geplanten Atommülllager Gorleben und informierten mit einem Piratensender über die Lage vor Ort. Bei der polizeilichen Räumung wurde die Sendeanlage (Foto) demoliert.
Mit Musik und Mode kann man keine Mutter mehr schocken. Die Rebellion läuft jetzt anders. Internet und andere elektronische Medien spielen dabei eine Hauptrolle: Freizeit und Freundschaften werden heute mit Computer und Handy organisiert, ebenso spontane Protestaktionen. Die unangemeldete Demo heißt jetzt Flashmob.
Ob Halbstarke, Hippies oder Hip-Hopper, Punk oder Popper: Noch bis 4. November kann man im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig sehen, welche Erfahrungen alle Jugendliche generationsübergreifend in ganz Deutschland gemacht haben und wo die Unterschiede sind.
Welche Wünsche, Träume und Ideen deutsche Jugendliche in den vergangenen 60 Jahren hatten, zeigt die Ausstellung "Mit 17... Jung sein in Deutschland", die jetzt in Leipzig zu sehen ist.
Welche Wünsche, Träume und Ideen deutsche Jugendliche in den vergangenen 60 Jahren hatten, zeigt die Ausstellung "Mit 17... Jung sein in Deutschland", die jetzt in Leipzig zu sehen ist.